Letnja Oluja
Eine Weile war ich mit einer besonderen Person befreundet. Ich habe die Freundschaft geliebt, obwohl die öfter nervig war. Man könnte auch ihres possessive Benehmen betrachten und beurteilen, aber langsam vermisse ich es. Mehr als zwei Jahre lang wollte ich über sie nicht reden oder nachdenken. Wieso ich jetzt unsere Geschichte erzählen will, anstatt schlafen zu gehen, ist mir auch nicht klar.


Sie war mir wie dem Sinclair sein Demian. Sehr oft habe ich sie bewundert, weil sie schon vieles erlebt hat, und einen starken Charakter hat. Lasst ihr euch nicht täuschen, blind war ich auch nicht. Ich habe sie genau so gesehen, wie sie war, mit allen Fehlern und Masken. Ich sah mich auch in ihr. Wir hatten nämlich viele Ähnlichkeiten. Sie war ein Träumer, der sich selbst eine schönere Welt gebaut hat. Es war klar, dass ihre Welt als ihrer Schutz gedient hat. Von dem Anfang an, wusste ich wie zerbrechlich sie war. Die Enttäuschung war ein Teil ihres Alltages. Sie wollte sich immer wieder überzeugen, dass sie aus allen Erlebnissen nur stärker ausgewachsen ist. Ihre Welt konnte ihr eine Version anbieten, wo sie eine Eiskönigin war.

Die Gefühle wurden verdrängt, alles war gut. Wie ging es ihr? Alles prima! Sie wusste, dass sich echt keiner interessiert, aber sie brauchte die Aufmerksamkeit. Einer hätte zu ihr kommen sollen und ihr sagen sollen: ''Erzähl doch! Ich will echt hören wie es dir geht! Lass die Scheißgeschichte für irgendwen anders!'' Was mir immer traurig erschien, ist, dass sie sowas erst echt erlebt hat, als sie mich kennengelernt hat. Wenn ich sage, dass wir in vielen Punkten ähnlich waren, kann man die benötigte Aufmerksamkeit dazu rechnen. Ich brauchte sie auch dringend, genau so wie sie mich gebraucht hat.

Ihre Tendenz zu lügen, habe ich sofort gemerkt. Ich habe nie verurteilt, weil ich wusste wie sie diese Lügen brauchte, um zu überleben. Tief drin war sie vielleicht depressiv und war davon bewusst. Aber sie hat sich entschieden zu kämpfen. Immer wieder versuchte sie glücklicher zu werden. Sie wachte jeden Tag auf, und spielte die Rolle eines normal und gesund frustrierten Teenager. Alle Teenager sind ja schlecht drauf, kann man leicht sagen. Zu dieser Rolle passte sie zu gut.

Habe ich erzählt, was für Träumer sie war? Eine Eigenschaft die sie besaß, war für alles zu übertreiben. Sie war ein Extrem in allen Sachen die sie machte. Entweder war sie super motiviert und genial, oder war sie komplett faul und ignorierte die ganze Sache. Pur Intelligenz war sie, gefangen im falschen Leben. Ach ja, ich wollte über Gewohnheit zu übertreiben erzählen.

Ich bin alleine ein Mensch, der immer vorsichtig über die Zukunft spricht. Versprechungen gebe ich selten, und wenn doch, nur wenn ich sicher bin, dass ich die hundertprozentig erfühlen werde. Da war sie aber anders. Sie brauchte ziemlich oft sich zu überzeugen, dass die Leute sie mögen. Nach einem Monat unserer Freundschaft wurde ich zur besten Person und Freundin ernannt. Da entstand die Überzeugung, dass das eine dauerhafte Freundschaft sein wird. Solche Aussagen konnte aber von mir man nicht hören. Nicht aus dem Grund, dass ich daran nicht geglaubt habe, sondern, weil man immer alles kaputt macht, wenn man zu viel erzählt. Mein Motto war damals und jetzt noch: ''Abwarten und sehen wie alles sich entwickelt.'' Ihr sollt mich nicht falsch verstehen, aber ich habe doch nie geglaubt, dass die Freundschaft bis zur Ewigkeit dauern wird. Es lag nicht an ihr, oder ihrer merkwürdigen Art die Dinge zu betrachten. Wie gesagt, ich bin ein Mensch der sehr schwer eigenes Vertrauen schenkt. Meine Erfahrungen bis jetzt beweisen mir immer wieder, dass es besser so ist. Obwohl sich momentan das alles wahrscheinlich pessimistisch anhört, war ich für jeden Tag dieser Bekanntschaft dankbar. Es wird dauern, so lange wie es dauern soll, dachte ich mir immer.

Es hat mich sehr oft gestört, dass unsere Beziehung sehr intensiv war. Einerseits liebte ich, dass wir uns super verstanden haben. Andererseits, brauchte ich doch meine Privatsphäre, meine Ruhe. Wenn ich intensiv sage, meine ich extrem intensiv. Wir gingen in die selbe Klasse, saßen zusammen. Nach der Schule verbrachten wir die Zeit zusammen, und dann abends wieder. Man könnte 8 bis 10 Stunden pro Tag rechnen. Fast jeden Tag. Ich hoffe, dass ihr meine damalige Lage versteht. Ich konnte einfach nicht nein sagen. Sehr gut wusste ich, dass sie mich braucht uned ich wollte immer für sie da sein. Philosophisch betrachtet, könnte man sagen, dass ich eigentlich ein Egoist bin. Meinem Ego hat es gegönnt, dass einer mich brauchte, meine Aufmerksamkeit brauchte und dabei gibt doppelt so viel zurück. Es ist schon klar, dass die Menschen nur wegen sich selbst dem anderen helfen. Damit sie eigenes Ego füttern können, und sich selbst loben können, weil sie gerade einen Beweis haben, was für humane Menschen sie sind.

Nun, lassen wir jetzt den Kern der Existenz der ganzen Menschheit. Ich vermisse sie. Unsere philosophische Gespräche. Ihr könntet euch nicht vorstellen, was für Gespräche zwei achtzehnjährigen Mädchen führen können. Die Menschen waren unseres Hauptthema. Nicht irgendwelche bestimmte Menschen, sondern die Menschheit generell. Unseres Motto war immer wieder korrekt zu bleiben, nie zu beurteilen. Böse Verhältnisse nicht zu verachten, sondern versuchen zu verstehen, was den Mensch dazu geführt hat.

Was steckte sich in einer kleinen Seele eines durchschnittliches Mannes? Ihr merkt ja schon selbst, wie arrogant wir waren. Wir waren die schlimmsten von allen, wenn ich jetzt sehe. Nur aus dem Grund, dass wir überzeugt waren, wir seien was Besseres. Durchschnittlich waren wir auch nicht, was uns nicht erlaubte, so hochnäsig zu sein. Wir hatten beide Interesse an die Psychologie. Wir waren die, die immer einen Mann schnell mit allen seinen Schwächen durchschauen konnten. Mit solchen hatten wir immer Mitleid. Wir, zwei dumme Mädchen waren angeblich so wichtig und erwachsen, dass wir den anderen verziehen haben! Es ist nicht Schuld des Mannes, dass er so schwach und klein ist. Die Umgebung hat ihn gezwungen diese Rolle zu übernehmen! Deswegen müssen wir ja Verständnis haben! Nicht jeder kann sich selbst akzeptieren und verstehen!

So dachte ich damals. Obwohl wir sehr viel übertrieben haben, konnten wir doch leicht die Wahrheit sehen. Ich mindestens. Alle Möglichkeiten, die in einer Beziehung laufen könnten, wusste ich. Manche Sachen habe ich aber bewusst zugelassen. Ein riesiger Unterschied zwischen uns beide war, dass ich immer die Schuld übernommen hätte, wenn einer mich enttäuscht hätte. Es ist meine Verantwortung gewesen und meine Entscheidung, alles zuzulassen. Ich konnte ja nie sagen, ein anderer sei ein Arschloch und ich die unschuldige und naive. Oh nein. Schuldig war ich, weil ich alles sehen konnte, verstehen konnte aber einfach ignoriert habe. Es wäre besser gewesen, wenn ich einfach blind gewesen wäre. Doof bin ich, weil ich auch in Träumen lebe und nicht genug für sich selbst tue.

Verzeiht ihr mir bitte. Obwohl ich versuche hier objektiv zu berichten, wahrscheinlich kommt es so vor, als würde ich mich im guten Licht vorstellen wollen und sie in schlechten. Ich komme davon aus, dass ich auch viele Fehler gemacht habe. Ein Teil von mir ist aber auch doch sehr realistisch. Mich selbst lüge ich nie an. Ich bin, oder ich mag lieber zu denken, WAR egoistisch.

Wir waren beide damals für Politik interessiert. Obwohl wir manchmal verschiedene Meinungen hatten, im Endeffekt waren wir beide mit der Situation im Land unzufrieden. Korruption und Armut waren zwei Themen mit denen wir uns sehr oft beschäftigt haben. Das ganze System sei faul, was uns immer wieder frustriert hat. Wir wussten beide, dass man keine Perspektive in diesem Land hat, und wollten beide raus. Leider muss ich sagen, dass wir, von einem bestimmten Punkt, zu oft über negativen Dingen geredet haben. Wir sahen nur die schlechten Sachen, und keine Hoffnung zur Verbesserung. Der Vorschritt lag irgendwo anders, in einem anderen Land, in einem anderen Leben. Ich begreife jetzt, dass unsere Einstellung komplett falsch war. Es lag nicht an dem System. Es lag an uns. Wir hätten für uns kämpfen sollen. Kritisieren kann jedes Schwein. Aber etwas verändern, dass ist eine Herausforderung. Ich mag zu denken, ich hätte etwas Gutes für mich getan. Ich habe angefangen mich zu verändern, das soll ja wohl der erste Schritt sein. Ob sie sich weiter entwickelt hat, weiß ich nicht. Ich hoffe.

Ich könnte noch sehr viel über sie erzählen, aber ich denke, dass es für jetzt genug ist. Ein anderes Mal, bei einer anderen Gelegenheit.

Gute Nacht.



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